Kleine Hitze (xiǎo shǔ / 小暑)
- Yun Xie
- 22. Juni
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Juli
Die Zeitphase: 7. Juli bis 21. Juli jedes Jahr.

Die Temperaturen steigen stark an und die Hitze hält lange an. Es beginnt die erste Hitzephase, die allerdings noch nicht die heißeste Zeit des Jahres ist – daher wird diese Phase als „Kleine Hitze“ bezeichnet.
Wenn es am 7. Juli sonnig und heiß ist, wird es in der Phase der „Großen Hitze“ (22. Juli bis 6. August) nicht mehr ganz so extrem heiß, sagt der Volksmund.
Drei natürliche Phänomene



Bräuche in China

Neues Getreide essen: In vielen Regionen sind Reis und Weizen nun reif. Die Menschen verarbeiten das frisch geerntete Getreide zu Nudeln oder Pfannkuchen und teilen diese mit der Familie und den Nachbarn. Damit zeigen sie ihre Dankbarkeit für die neue Ernte.

Traditionelle Sommergetränke: In China ist abgekühlte Weizengraupensuppe ein klassisches Hausmittel, um hart arbeitenden Menschen und Tieren an heißen Sommertagen Abkühlung zu verschaffen. Da Graupen nur minimal verarbeitet sind, enthalten sie reichlich Mineralstoffe und Proteine. Sie nähren den Körper, ohne schwer im Magen zu liegen.

Sachen „besonnen“: Die Menschen hängen Steppdecken und Winterkleidung in die intensive Sonne, um versteckte Keime zu vernichten. Auch alte Bücher und Kräuter werden der Sonne ausgesetzt, um Feuchtigkeit zu beseitigen und Schimmel vorzubeugen.
Prävention

Einen Schirm dabei haben:
In dieser Zeit ist die UV-Strahlung extrem stark, und es kann jederzeit ein unerwartetes Gewitter aufziehen. Unterwegs spendet ein Schirm angenehmen Schatten und schützt gleichzeitig vor plötzlichem Regen.

Leichtes Salzwasser trinken:
Wenn wir im Sommer viel schwitzen, verlieren wir neben Wasser auch wichtige Mineralstoffe wie Natrium und Kalium. Bei extremer Hitze kann das zu Schwindel, Kopfschmerzen oder Muskelkrämpfen führen. Eine kleine Prise Salz im Trinkwasser hilft dabei, den Mineralstoffhaushalt im Körper auszugleichen, Flüssigkeit besser zu speichern und den Kreislauf stabil zu halten. Dabei beachten wir, dass der Richtwert für Erwachsene bei maximal 5 g Salz pro Tag liegt. Menschen mit Bluthochdruck oder Nierenproblemen sollten hier besonders vorsichtig sein.
Qi-Gong-Übung mit dem Laut „Her“:
Im Hochsommer spüren wir oft innere Unruhe, Herzklopfen, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten. Nach der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) steigt in dieser Zeit das übermäßige Herzfeuer nach oben und stört unseren Geist. Diese Übung sorgt dafür, dass sich das Feuer senkt und durch den Laut aus dem Körper ausgeleitet wird.

Anleitung zur Übung:
Wir stehen locker und beugen die Knie leicht. Die Beine sind schulterbreit geöffnet. Beide Hände liegen unter dem Bauchnabel, die Handflächen zeigen nach oben.
Wir lenken unsere Aufmerksamkeit auf den Bereich unter dem Bauchnabel (das untere Energiezentrum) und stellen uns vor, einen Ball in den Händen zu halten. Mit einem langsamen Einatmen führen wir den Ball entlang der Körpermitte nach oben bis zur Brustmitte (dem mittleren Energiezentrum), während wir gleichzeitig langsam die Beine strecken.
Mit einem langen, sanft gesprochenen Laut „Her“ drehen wir die Handflächen um und führen sie langsam entlang der Körpermitte wieder nach unten zum unteren Energiezentrum. Anschließend schieben wir die Handflächen sanft nach außen und kehren mit einem langsamen Einatmen in die Ausgangsposition zurück.
Wir wiederholen die Übung sechsmal am Tag. Besonders am Abend hilft sie dem Geist, zur Ruhe zu kommen.
Ernährung

Bei der Hitze neigen viele Menschen dazu, eiskalte Speisen und Getränke zu konsumieren. Das erfrischt allerdings nur kurz im Mund, kühlt aber nicht wirklich den Körper: Bei eisigen Temperaturen signalisiert das Gehirn dem Körper, mehr Wärme zu erzeugen. Dadurch steigt die Kerntemperatur automatisch an. Zudem riskiert man einen „kalten Bauch“, was zu Durchfall, Übelkeit und Appetitlosigkeit führen kann. Eine gut funktionierende Verdauung benötigen wir in dieser Zeit besonders.
In Essig eingelegter Ingwer

Ingwer wärmt den Bauch von innen und fördert die Verdauung. In Kombination mit Essig ist die Wirkung sanft und regt den Appetit an. Die wertvollen Inhaltsstoffe des Ingwers sitzen direkt in und unter der Schale; sie wirken entzündungshemmend und fördern die Durchblutung, was auch bei Gelenkbeschwerden helfen kann.
Zubereitung: Wir waschen den Bio-Ingwer gründlich, schneiden ihn mit der Schale in dünne Scheiben und schichten ihn in ein sauberes, trockenes Glas. Nach Belieben etwas Salz und Zucker dazugeben. Das Glas so weit mit Essig auffüllen, dass alle Ingwerscheiben bedeckt sind. Gut verschlossen an einem dunklen Ort bei Raumtemperatur reifen lassen. Nach 3 Tagen ist der Ingwer verzehrfertig und sollte ab dann im Kühlschrank gelagert werden.
Hinweis: Nach längerer Zeit kann sich eine gelartige, weiße Schicht auf den Zutaten bilden. Dabei handelt es sich um harmlose Hefe, die durch die Fermentation entsteht. Solange sich Aroma und Geschmack nicht verändern, können wir Ingwer und Essig verzehren.
Anwendung: Wir essen täglich 2 bis 3 Scheiben des eingelegten Ingwers zum Salat oder zu kalten Gerichten, um die innere Kälte auszugleichen.
Kichererbsen:

Nach der TCM stärken Kichererbsen die Energie von Milz und Nieren, reduzieren die Hitze im Magen und sind eine wunderbare Unterstützung bei Schwäche und Müdigkeit in dieser Jahreszeit. Als hervorragende pflanzliche Proteinquelle mit hohem Ballaststoffgehalt fördern sie die Verdauung und unterstützen den Muskelaufbau. Zudem liefern sie wertvolle Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Kalzium und Folsäure.
Tipp zum Vorkochen: Wir weichen getrocknete Kichererbsen nach Packungsanleitung für 12 Stunden ein, kochen sie für ca. 60 Minuten, dann abtropfen, abkühlen und frieren sie anschließend ein. Für die Mahlzeiten können wir die benötigte Portion einfach entnehmen und kurz aufkochen.
Die wichtigsten Vitamine und Mineralstoffe bleiben dabei vollständig erhalten. Zudem entsteht durch das Abkühlen im Gefrierfach zusätzliche resistente Stärke, die besonders gut für die Darmgesundheit ist.
Rezept: Sommerlicher Kichererbsen-Reisnudel-Salat
Zutaten:
Kichererbsen: 100 g (vorgekocht und tiefgekühlt)
Reisnudeln: 50 g
Avocado: ½ reife Avocado (gewürfelt)
Ei: 1 hartgekocht und gewürfelt
Salat: Saisonsalat nach Wahl und frische Kräuter
Das passende Dressing:
Wir verrühren 1 EL Leinöl, 2 EL Sojasauce, 2 EL Essig, 2 fein gehackte Stücke des eingelegten Ingwers, 1 EL Holundersirup und etwas Sesam
Zubereitung:
Die tiefgekühlten Kichererbsen und die Reisnudeln in einen Topf mit Wasser geben und für ca. 5 Minuten kochen.
Anschließend in ein Sieb gießen, mit kaltem Wasser abschrecken und gut abtropfen lassen.
Die Salatblätter auf einem Teller anrichten und die Kichererbsen-Reisnudel-Mischung darauf verteilen.
Mit den frischen Kräutern, der Avocado und dem Ei garnieren.
Zum Schluss das Dressing gleichmäßig darübergeben und mit etwas Sesam bestreuen.
Durch die Reisnudeln ist dieses Gericht leicht verdaulich – eine nahrhafte Kombination für eine gesunde Sommermahlzeit, die den Körper optimal versorgt.
Zitronen-Apfel-Tee
Zitronenmelisse und Apfelminze wachsen in dieser Jahreszeit hervorragend. Die Mischung aus beiden Kräutern eignet sich perfekt zur Unterstützung der Verdauung und zur Entspannung. Beide wirken krampflösend und helfen bei Völlegefühl, leichtem Magendrücken oder Blähungen nach dem Essen. Zudem ist die Zitronenmelisse ein bewährtes Mittel gegen innere Unruhe und Schlafstörungen. Zusammen mit der mentholarmen Apfelminze ergibt sich ein harmonisches, fruchtig-zitroniges Aroma, das ideal auf einen beruhigenden Abend einstimmt.
Zubereitung:
Jeweils 5 frische Blattspitzen Apfelminze und Zitronenmelisse in eine Tasse (250 ml) geben, mit heißem Wasser aufgießen und abgedeckt ca. 10 Minuten ziehen lassen. Lauwarm trinken.Alternativ können wir auch getrocknete Kräuter im Mischungsverhältnis 1:1 verwenden.










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