Weißer Tau (bái lù 白露)
Zeitraum: 07.09. – 23.09. jedes Jahres.

In dieser Phase wird es morgens und nachts spürbar kühler, obwohl es tagsüber bei Sonnenschein noch relativ warm ist. Wenn wir die Natur aufmerksam beobachten, können wir früh morgens glänzende Tautröpfchen auf Pflanzen und Steinen sehen – daher stammt der Name „Weißer Tau“. Auch die Vögel spüren die Abkühlung in der Natur, was zu besonderen Naturphänomenen führt.
Drei natürliche Phänomene:



Bräuche und Kultur in China:

Longan-Früchte essen: In dieser Zeit reifen die Longan-Früchte (Dimocarpus longan Lour.). Sie schmecken saftig-süß, mild und aromatisch wie Honig. In der Mitte befindet sich ein harter Kern, der an ein Auge erinnert, weshalb die Frucht auch „Drachenauge“ genannt wird. Frische Longan- Früchte stärken das Immunsystem und schützt die Zellen durch Antioxidantien. In der TCM werden getrocknete Longan-Früchte hauptsächlich bei Schlafstörungen und Nervosität eingesetzt, um den Geist zu beruhigen.

„Weißer Tau“-Tee trinken: Nach der Sommerhitze erlebt der Teestrauch wieder ein optimales Wachstum. Der in dieser Zeit geerntete frische grüne Tee schmeckt blumig-herb, ist weder zu leicht noch zu stark und genau richtig im Geschmack – besonders beliebt bei erfahrenen Teetrinkern. Die Menschen pflücken und trinken diesen frischen Tee, sind dankbar für die Gaben der Natur und beten für eine reiche Ernte.
Gedicht zu dieser Jahreszeit: In Chinas ältester Gedichtsammlung, dem Shi Jing / 诗经 (ca. 11.–6. Jahrhundert v. Chr.), wird diese Jahreszeit so beschrieben:
Das Schilf steht dicht und grün,
Der weiße Tau wird zu Reif.
Diejenige, die ich suche,
Ist drüben am anderen Ufer des Wassers.
Die Dichtung wurde auch vertont. In der Musik lassen sich die kühle Herbststimmung, ein Hauch von Melancholie und die stille Sehnsucht nachempfinden.
Prävention & Gesundheit:
Wir spüren deutliche Veränderungen und Schwankungen in der Natur. Laut TCM kann dieser Übergang die Lungenfunktion belasten und das Immunsystem beanspruchen. Wir können jedoch einiges tun, um uns an diese Zeit anzupassen:

Nachts warm zudecken: Von Nacht zu Nacht wird es kühler. Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Zur Zeit des Weißen Taus bedeckt man den Körper.“ Besonders nachts sollten wir uns gut zudecken, um Erkältungen vorzubeugen.

Bauchatmung üben: Die Bauchatmung ist die natürliche, ursprüngliche Form unserer Atmung und gilt als hervorragende Prävention gegen Lungenerkrankungen. Zudem fördert sie die innere Ruhe und verbessert den Schlaf.
Anleitung:
Im Liegen oder Sitzen legen wir eine Hand auf die Brust und die andere auf den Bauch.
Wir atmen tief und entspannt durch die Nase ein. Die Hand auf dem Bauch sollte sich deutlich heben, während die Hand auf der Brust ruhig bleibt.
Wir atmen langsam und lange wieder aus, sodass der Bauch flacher wird.
Die Übung wird 6 bis 8 Mal am Tag oder abends vor dem Schlafen wiederholt.
Feuchtigkeitsspendende Körperbutter selbst herstellen: Unsere Haut und Haare neigen nun zu Trockenheit und Schuppenbildung, obwohl es gelegentlich regnet. Laut TCM bilden Haut und Haare die erste Barriere gegen Erreger. Eine selbstgemachte Körperbutter schützt Haut und Haar in dieser Jahreszeit optimal.

Zutaten: 100 g Bio-Kokosöl, 1 Handvoll getrocknete Ringelblumenblüten (Calendula officinalis), 1 EL getrocknete Lavendelblüten.
Wirkung: Ringelblumen spenden Feuchtigkeit, Lavendel beruhigt gereizte Haut und unterstützt die Zellregeneration. Kokosöl wirkt angenehm kühlend, leicht antibakteriell und dringt tief in Haut und Haarschaft ein.
Zubereitung (Tag 1): Das Kokosöl in einem Glas kurz im Wasserbad (ca. 50 °C) schmelzen. Die getrockneten Ringelblumen und den Lavendel hinzufügen, gut umrühren und vom Herd nehmen. Das Glas offen über Nacht bei Zimmertemperatur stehen lassen. Das Öl wird wieder fest und umschließt die Kräuter.
Zubereitung (Tag 2): Am zweiten Tag das Glas erneut in ein warmes Wasserbad (ca. 50 °C) stellen. Sobald das Kokosöl flüssig ist, lassen wir es etwa 20–30 Minuten im warmen Wasserbad ziehen, damit sich die Wirkstoffe optimal im Öl verteilen. Das warme Öl durch ein feines Sieb oder Tuch in ein sauberes Glas abgießen und die Kräuter gut ausdrücken. Das Kokosöl im offenen Glas bei Zimmertemperatur abkühlen lassen, danach verschließen.
Hinweis: Wichtig ist, dass während des gesamten Prozesses kein Wasser ins Öl gelangt, damit eine Haltbarkeit von bis zu einem Jahr erreicht wird. Die Körperbutter kann nach dem Duschen sanft in Haut und Haar einmassiert werden.
Ernährung:
In dieser Phase beschenkt uns die Natur mit reichlich Saisongemüse und Früchten, die unserer Gesundheit gut tun.
Mais ist ein gesundes Saisongemüse, das wertvolle Nährstoffe wie Ballaststoffe, gute Kohlenhydrate sowie Magnesium, Kalium, Zink und B-Vitamine liefert. Besonders reich ist Mais an den sekundären Pflanzenstoffen Lutein und Zeaxanthin, welche die Augen unterstützen und als Antioxidantien wirken. Nach der TCM kann Mais die Yin-Energie nähren, die Erzeugung von Körpersäften anregen und gegen Trockenheit und Hitzegefühle helfen.
Gedämpfte Maistaschen:

Füllung: 100 g Maiskörner, 100 g zerkleinerten Tofu und 50 g geraspelte Karotten in einer Schüssel vermengen. Mit 10 g Sesamöl, etwas Salz und Pfeffer abschmecken.
Formen: Ein Blatt Reispapier auf ein feuchtes Schneidebrett legen und mit etwas Wasser benetzen, bis es weich wird. 1–2 EL der Füllung in die Mitte geben und zu einer Tasche formen.
Dämpfen: Frische Maishüllen gründlich waschen und auf den Boden eines Dampfeinsatzes legen. Die Reispapier-Taschen darauf platzieren, leicht mit etwas Öl bestreichen und über kochendem Wasser ca. 10 Minuten dämpfen.
Dip: 3 EL Sojasauce, 2 EL Zitronensaft, 1 EL Wasser, 1 TL frisch geriebener Ingwer, etwas feine Frühlingszwiebeln und nach Wunsch frische Kräuter vermengen.
Wirkung: Durch das Dämpfen bleiben wertvolle Nährstoffe erhalten und das Gericht ist leicht verdaulich. Das glutenfreie Rezept aus Mais und Tofu liefert hochwertiges Protein und Vitamine; in Kombination mit Sesamöl und Karotten unterstützt es zudem die Augengesundheit.
Hähnchensuppe mit weißen Bohnen: Unser Immunsystem benötigt gezielte Unterstützung.
Zutaten: 50 g weiße Bohnen, 2 Hähnchenschenkel, 3 g Ingwer, 1 Zwiebel, 100 g Kartoffeln, 100 g Karotten, 50 g Fenchel, 10 g Petersilie.

Zubereitung:
Die weißen Bohnen ca. 12 Stunden in Wasser einweichen.
Die Hähnchenschenkel abspülen und zusammen mit Ingwer, Zwiebel und Kartoffeln in einem Topf etwa 2 Minuten anbraten.
Die eingeweichten Bohnen und ca. 1 Liter warmes Wasser dazugeben. Bei mittlerer Hitze 40 Minuten sanft köcheln lassen, bis die Brühe eine leicht weißliche Farbe annimmt.
Fenchel und Karotten hinzufügen und weitere 20 Minuten garen.
Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken und die frische Petersilie dazugeben.
Wirkung: Diese Kombination bietet eine optimale Proteinergänzung aus tierischen und pflanzlichen Quellen, unterstützt die Antikörperproduktion und wirkt entzündungshemmend. Weiße Bohnen und Kartoffeln liefern wertvolle Ballaststoffe für die Darmgesundheit, während das Gemüse die Zellen schützt und die Suppe besonders bekömmlich macht.
Erkältungstee:
Holunderblütentee: Befeuchtet die Schleimhaut, hilft bei den ersten Anzeichen einer Erkältung gegen trockene Schleimhäute und leichte Halsschmerzen.

Wenn das Wetter plötzlich kalt wird, kann eine Erkältung mit Husten und Schleim festsitzen. Hierbei hilft Thymian-Tee:
1 TL frisches oder getrocknetes Thymiankraut und 2 g Süßholz mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt ca. 10 Minuten ziehen lassen.
Thymian wirkt schleimlösend, keimtötend auf dem Atemweg. Süßholz befeuchtet die Atemwege leicht und mildert die Schärfe des Thymians ab.








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